Solidarität mit den Landfrauen!



Die neue Agrarpolitik 2022 (AP 22+) sieht vor, die vollen Direktzahlungen nur noch an jene Haushalte zu bezahlen, in denen im Betrieb regelmässig mitarbeitende Partnerinnen (oder Partner) sozialversichert sind. Damit kommt der Bundesrat einer langjährigen Forderung des Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes (SBLV) nach. Denn heute erhalten rund drei Viertel aller Bäuerinnen keinen Lohn und haben folglich keinen Anspruch auf Sozialleistungen im Falle von Mutterschaft, Krankheit oder Unfall. Im Scheidungsfalle stehen diese Frauen oftmals sehr schlecht da, und auch was die Altersrente betrifft, sind sie nur minimal versichert.

Leider stellt sich die Landwirtschaftskammer des Schweizerischen Bauernverbandes gegen diese Vorgabe des Bundesrates. In seiner Antwort auf einen offenen Brief der SP Frauen* Schweiz vom 2. April 2019 schreibt der Verband, es handle sich hierbei um «eine öffentliche Einmischung in die privaten Angelegenheiten der Bauernfamilien». Dies verursache «einen beträchtlichen Verwaltungsaufwand sowohl bei Bund und Kantonen als auch bei den Bauernfamilien selbst» und könne «Härtefälle verursachen, worunter letztlich auch die Frauen leiden.»

Die Haltung der Landwirtschaftskammer ist nicht nur enttäuschend, sondern vor allem inkohärent: um der Nachfrage der Konsumentinnen gerecht zu werden, bemüht sich die Landwirtschaft um Nachhaltigkeit und Ökologie, und erwartet diesbezüglich massive Unterstützung vom Staat. Dabei wird aber der soziale Aspekt der Nachhaltigkeit gänzlich ausser Acht gelassen.

Die SP Frauen* Schweiz sind solidarisch mit den Landfrauen und stellen sich hinter deren Forderung nach gerechter Entlöhnung und sozialer Absicherung für Partner*innen, welche in einem bäuerlichen Familienbetrieb mitarbeiten.

  • Hier geht es zum offenen Brief der SP Frauen* Schweiz an den Schweizerischen Bauernverband vom 2. April 2019
  • Hier geht es zur Antwort des Schweizerischen Bauernverbandes vom 15. April 2019